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Kunst kommt von Menschen

Seit nunmehr 2011 sind die deutsch-amerikanischen Moving Poets Berlin in Niederschöneweide. Dort betreiben sie in ihrer hochbegrünten und farbenfrohen Ex-DDR-Barackenlandschaft „Costaweide“ das sparten- und kulturübergreifende Zentrum für Kunst, MoBe.

Sie bieten Künstlern und Besuchern die Möglichkeit, auf entspannte Art und Weise unterschiedlichste Programme zu gestalten und zu erleben. „Kunst kommt von Menschen“ ist ihr Motto, und es fällt leicht, sich bei den „Poets“ wohl zu fühlen. Allerdings darf man das Ganze nicht zu akademisch angehen. „Zwar ist uns Qualität sehr wichtig”, sagt Gründer Till Schmidt-Rimpler, „doch sind Kreativität und Neugierde die treibenden Faktoren, wie auch der Respekt vor dem Anderssein und der Mut, Neues zu probieren. Bei uns mischen sich verschiedene Menschen und Kulturen. Man spricht Englisch und berlinert. Künstlerisch ist es spannend, das Eine oder Andere kann durchaus mal verwundern. Die Spannbreite ist auch eine Herausforderung, den Standpunkt zu wechseln.” Moving Poets stammen ursprünglich aus Charlotte, der größten Stadt North Carolinas in den USA, und werden von der vietnamesisch-amerikanischen Malerin MyLoan Dinh und dem Choreographen Till Schmidt-Rimpler geleitet.

M.M.: 2013 wart ihr einer der Hauptstandorte für „Kunst am SpreeKnie“, und während dieser Zeit war ich wenigstens dreimal bei euch. Jedesmal war ich überrascht von dem quirligen Treiben auf eurem Gelände. Die Musikveranstaltungen, Tanzperformances und die Ausstellungen sehr unterschiedlicher Künstler waren sehenswert. Faziniert hat mich dabei der Eindruck, dass die Künstler selbst, ob darstellende oder bildende Kunst, miteinander im Austausch, im konstruktiven Gespräch sind. Ihr seid kein Atelierhaus, keine Tanz- oder Theaterwerkstatt, in übliche Schubladen von kulturellen Trägern passt ihr nicht rein.
Wie definiert ihr euch selbst?

M.D.: 1996 gründete Till mit dem irisch-amerikanischen Poeten Chuck Sullivan und dem amerikanischen Schauspieler-Regisseur Randell Haynes eine Tanz- und Theater-Compagnie, die in direkter Zusammenarbeit mit bildenden Künstlern, Schriftstellern, Musikern und Komponisten Geschichten erzählt, welche sowohl für die Künstler als auch für das Publikum von Bedeutung sind.

T.S.R.: Wir wollten die unterschiedlichen Medien miteinander kombinieren und auch einen Gegenpol zur zunehmenden Kommerzialisierung und Entfremdung der Kunst vom Künstler und vom Publikum schaffen. Kunst sollte relevante Geschichten erzählen und die, die daran teilnehmen, bewegen. Daher auch der Name „Moving Poets“.
In den folgenden Jahren gewannen die „Poets” ein ethnisch, sozial und kulturell sehr diverses, treues und begeistertes Publikum. Wir entwickelten Kooperationen mit unterschiedlichen Organisationen, einschließlich der dortigen Oper und der Menschenrechtsorganisation „The Echo Foundation”.
Unser Credo zog zahlreiche begabte Künstler an, vor allem lokale, aber auch internationale wie Gcina Mhlophe, James McLure, Maud Gatewood, Tom Constanten und Wole Soyinka. Auch heute unterhalten Moving Poets Berlin eine enge programmatische Partnerschaft mit Moving Poets Charlotte sowie vielen amerikanischen und südafrikanischen Künstlern.

M.M.: Schöneweide ist ein Stadtteil mit industrieller Geschichte, der sich seit den 1990er Jahren wieder neu finden muss, wo nichts mehr ist, wie es einmal war, und keiner wirklich sagen kann, wie es einmal sein wird. Ohne Weiteres ein Eldorado für Menschen mit Visionen, aber manchmal auch nur Seifenblasen – Schauhallen Berlin.
Was will Moving Poets?

M.D.: Schon in Charlotte waren wir Teil einer Gruppe von Künstlern und Kreativschaffenden, die zur erfolgreichen Wiederbelebung eines ehemaligen Industriestandortes beitragen konnten. Und wir glauben, daß dies auch in Schöneweide geschehen kann. Allerdings ist der Begriff „Gruppe” hier sehr wichtig, so etwas macht niemand allein. Viele haben damals kräftig geholfen, eingeschlossen private Unternehmen und die Stadt.
Unser Berliner Programm fokussiert sich derzeit besonders auf nationalen und internationalen Künstleraustausch, auf Konzerte zeitgenössischer südafrikanischer Musik, Ausstellungen, Tanz- und Musikworkshops sowie auf größere, sparten­übergreifende Projekte wie das JIMI HENDRIX PROJECT und IM OSTEN VIEL BLAUES im Rahmen von „Kunst am SpreeKnie 2013“.
In den ersten zwei Jahren haben sich weit über 100 Künstler aus rund 20 Nationen an unseren Programmen beteiligt, und bei IM OSTEN VIEL BLAUES waren über 500 Besucher. Sobald die Zeit reif ist, möchten wir zusammen mit geeigneten Partnern auch wieder Projekte für Jugendliche anbieten.

T.S.R.: Auf jeden Fall freuen wir uns auf eine spannende Zukunft in Schöneweide. Wichtig ist nun allerdings erstmal ein neuer Standort. Unser jetziger ist primär Wohnbereich, zu weit ab vom Schuss und für den Kulturbetrieb kaum zukunftsträchtig. Wir werden daher einen neuen Platz finden, der besser und zentraler mit Schöneweide an- und eingebunden ist und langfristig Stabilität und Entwicklungsmöglichkeiten bietet.

M.M.: Standort ist so ein Stichwort, gerade, wenn ihr hier etwas für euch, aber auch für diesen Stadtteil, aufbauen wollt.
Wisst ihr schon, wo ihr hin möchtet?

T.S.R.: Die Hasselwerder Villa sehen wir als geeignetes Objekt und mit unseren Programmen sehr kompatibel. Ihre Geschichte macht eine der Öffentlichkeit zugängliche kulturelle Nutzung sinnvoll. Sie könnte ein besonderer Ort der Begegnung sein. Durch ihre Lage am Kaisersteg ist sie ein natürlicher Verbindungspunkt zwischen Ober- und Niederschöneweide und Moving Poets können von dort aus auch eine konstruktive Rolle bei der Belebung des Stadtplatzes wahrnehmen.

M.M.: Zur derzeitigen Situation in Schöneweide haben wir ausgiebig gesprochen und dabei festgestellt, dass man zwar auf Landesebene darüber nachdenkt, nicht mehr alles Tafelsilber (wie Immobilien) bedingungslos zu verkaufen, um Geld in die leeren Kassen zu spülen, sondern über die Form von Erbbaupachtverträgen eine aktive Gestaltungsmöglichkeit des Landes und der Kommunen in den Ortsteilen für die Zukunft sicherstellen will. Aber das wird nicht unbedingt von allen Beteiligten so gesehen. Die Villa befindet sich ja im Portofolio des Liegenschaftsfonds und soll demnächst versteigert werden.

T.S.R.: Wir erwarten nicht, die Hasselwerder Villa geschenkt zu bekommen. Allerdings gehen wir aber auch davon aus, dass sich sowohl der Bezirk als auch der Liegenschaftsfond darüber bewusst sind, dass es für diesen historisch sensiblen Standort bessere Optionen gibt als eine „meistbietende“ Versteigerung. Wir freuen uns darauf, zu einer allseitig zufriedenstellenden Lösung zu kommen.

M.M.: Hoffen wir gemeinsam, dass es gelingen möge, bei dem anstehenden Bieterverfahren der Liegenschaftsverwaltung mit einem sinvollen und engagierten kulturellen Konzept für die Nutzung der Hasselwerder Villa gegen das große Geld eine Chance zu haben.

www.movingpoets.org

Mit MyLoan Dinh und Till Schmidt-Rimpler sprach Michael Menke

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